Puh. Schattig hier. Wir sind mittlerweile im Norden Norwegens angekommen und die Flip-Flops haben schon seit ein paar Tagen keinen Fuß mehr zu sehen bekommen. Aber mit echten Campern ist es wie mit gutem Grünkohl, da muss der Frost erst zwei mal drüber.
Und echte Camper sind wir jetzt. Wir wurden offiziell in die Bruderschaft aufgenommen, denn man grüßt sich als Wohnmobil-Lenker untereinander. In Büsum noch frenetisch winkend, in Dänemark jovial mit gehobenen Arm, in Süd-Norwegen kurz die Hand gehoben, später den Zeigefinger zum Gruß und mittlerweile nicke ich nur noch oder guck zur Seite. Es sind einfach zu viele. Es bricht mir zwar das Herz, wenn uns ein älteres Ehepaar aus Mainz wild grüßend entgegenkommt und ich sie enttäuschen muss, aber ich kann nicht mehr. Mein Beifahrer ist schon kurz hinter Flensburg aus der Sache ausgestiegen.
Apropos Beifahrer. Sollte ich mich verletzen und fahruntüchtig werden, rückt Harli auf den Bock. Sie ist meine Nummer 2. Nadi hat sich zwar bereits in Ohlendorf während einer kurzen Testfahrt disqualifiziert, als sie nen Kantstein mitgenommen hat, aber in Trondheim ist mir erst das Gesamtmaß der Tragödie klar geworden.
„Ähm Nadi, was stand auf dem Schild?“
„Welches Schild?“
„Da war ein Schild, auf dem stand glaube ich 3,20 Meter maximale Höhe“
„Passt doch“
„Wir haben ca. 3.50 Meter“
„Dann schrammt das ein bisschen“
„3 mm zu viel schrammen vielleicht ein bisschen. 30 cm zu viel sind ein Aufprall!!“
Ansonsten krabbelt Elli immer noch wie eine Gemse die Berge hoch. Morgens braucht sie ein wenig und keucht wie ein Stark-Raucher, dafür schießt sie dann eine charismatische Dieselwolke in die Luft, die mich immer noch verzückt. Aber sie hat es zum Polarkreis geschafft. Hier ist das Land der Trolle, sagen die Souvenir Shops….tatsächlich sind es aber scharenweise Busse mit Touristen aus allen Herren Ländern. Und immer noch zeigen Kinder auf unser fahrendes Juwel und Eltern drehen ihnen schockiert die Köpfe weg.
Gegen Kälte haben wir natürlich Klamotten (ein paar zumindest) und ne Gasheizung dabei, schlimmer noch ist die Dunkelheit – es gibt keine. Es scheint 24 Stunden am Tag die Sonne. Immer. Sonne. Wenn mein Kissen die Jalousie nachts etwas verrutscht, lacht mich der Sonnenschein auch um 3 Uhr noch mitten ins Gesicht. Hat so ein bisschen was von Legebatterie. Gott sei Dank waren die Vorbesitzer aber Vampire und haben vor jedes Fenster Klett geklebt, damit wir alles hermetisch gegens Tageslicht abriegeln können.
Ansonsten werden mir in Norwegen die Tunnel im Gedächtnis bleiben. Kilometerlange Wege wurden in die Berge geschlagen, in denen wir wie eine Lore nach oben und unten zuckeln. Ein Tunnel war 25 Kilometer lang und wir haben jeden einzelnen Kilometer der Dunkelheit genossen. Vielleicht schlafen wir in einem. Ein paar sind mit Neonlicht-Impressionen gestaltet und andere haben unterirdische Kreisel. Hier in Norwegen gilt schließlich das Jedermannsrecht und wir dürfen schlafen wo wir wollen. So lange kein Norweger aus dem Fenster gucken kann und uns sieht. Also immer 100 Meter Abstand und außer Blickweite von Häusern. Bei einer Bevölkerungsdichte wie in Sachsen ist das aber nicht so schwer.
Eindrucksvoll ist auch die Natur. Aber man kriegt irgendwann vor lauter Seen, Flüssen, Bergen und Fjorden ein bisschen Reiz-Überflutung. Deswegen gehts jetzt auch weiter nach Schweden.








Immer schön zu lesen 🙂
Freue mich schon auf den nächsten Bericht !
Weiterhin viel Spass !