You’re my heart, you’re my Seoul

822 Tage nach dem letzten Eintrag hier, ist es endlich wieder soweit. Wir sitzen im Flieger und starten in Richtung Asien zu unserem Jahresurlaub. Wohin ist zum Teil noch offen aber das wird sich schon ergeben. Bereits am Flughafen in Frankfurt, den wir nur mit Mühe und einer Stunde Verspätung erreicht haben, drängen sich längst vergessene Bilder wieder auf. Überall kleine Menschen mit schwarzen Haaren, die wie Perlen aufgereiht in einer Schlange am Gate stehen und schnattern. Sehr sittsam.

Nadi und ich haben im übrigen, jeder eigene Ziele im Urlaub ausgerufen. Ich versuche nichts liegen zu lassen und mich ein wenig zu entspannen, wenn es um Zeitmanagement geht. Nadi versucht länger als einen Tag am gleichen Ort auszuhalten und sich wiederum ein wenig zu entspannen, was die regelmäßigen Mahlzeiten angeht. Beides klappt bisher mit mäßigen Erfolg. Zum einen mussten wir noch einmal komplett zurück durch die Sicherheitskontrollen, da jemand Hunger verspürte und die Stunde bis zum Flug nicht mehr warten konnte – zum anderen rannten wir bereits in nackter Panik durch den Flughafen in Frankfurt. Da ich nicht wusste wo das Gate ist (Vielleicht in einem anderen Terminal?  Vielleicht müssen wir am Ende noch ganz wo anders hin?), hab ich alle guten Vorsätze über Board geworfen und Nadi im gestreckten Schweinsgalopp durch den Flughafen gescheucht. Vollkommen verschwitzt und außer Atem haben wir es aber doch noch geschafft. Die kommenden 30 Minuten bis zum Boarden war ich dann auch ganz locker….

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Asiaten wohin das Auge reicht

Der Flug war eine emotionale Achterbahnfahrt. Nicht weil der Flieger ein interkultureller Schmelztiegel war, zwei Stockwerke hoch oder die Sitze unbequem – nein, der Grund war, dass es keinen USB Strom gab und mich somit 90% meiner Unterhaltungselektronik vermutlich bereits über Moskau hängen lässt und dann 9 Stunden zehrende Langweile mich quälen. Vorbei die Zeiten, als es einen 5 Zoll großen Fernseher irgendwo im Flieger gab und alle sich mit ein und dem selben Film begnügen mussten. Heute beschwert man sich, wenn das WLAN im Flieger ausfällt und man 95 der 110 Filme aus der Mediathek schon kennt und obendrein noch keine Steckdose da ist.

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Der Sitzplatz-Basar ist eröffnet

Die andere Gefahr liegt in den komfortablen Sitzen inklusive eigenem Gepäckfach. Das geräumige Fach lädt zum Verstecken ein und ich habe mir schon einen geeigneten Ort für die Pässe und anderen Kleinkram gesucht. Da ich auf der letzten Reise jegliche Rechte zum Verwalten von Dokumenten oder anderen notwendigen Dingen verloren habe, muss mein Fach aber leer bleiben und ich darf nur Wasser und Zeitungen drin lagern, was natürlich kontrolliert wird.

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Ich darf nicht genutzt werden

Unser letztes Husarenstück im Flieger war die Wahl des Essens. Bereits vor der Reise haben wir umsichtigerweise ein vegetarisches Essen gewählt, um der hauseigenen Gulaschkanone von Lufthansa ein Schnippchen zu schlagen. Scheinbar haben wir aber irgendwo „Hindu“ angekreuzt, da dieser Aufkleber großflächig auf den Tabletts stand, die uns die Stewardess brachte. Schwer zu sagen (oder schmecken) was es war. Ich glaube, ich habe Dessert und Hauptgang zusammen gelöffelt und alles abschließend mit ner Portion Mut und Fenchelkörnern runtergespült. Soweit ok und ich habe geistig jubiliert – bis es zum Frühstück wieder Hindu gab. Für uns also überbackenen Schafskäse mit Fladenbrot um 8 Uhr morgens, während alle anderen Brötchen bekamen. Das gibt Energie für den Tag.

Apropos Energie. Ich bin übrigens nach einem etwas zu gut gemeinten Gin-Tonic, bereits in Stunde 2 in eine tiefe Bewusstlosigkeit geglitten und dann erst vor Seoul wieder aufgewacht (zum Gewinner-Frühstück). Meine Stromsorge war also unbegründet – auch weil die USB Steckdose in der Armlehne war …

Jetzt sitzen wir im Bus zum Appartment, haben freies WLAN und die Sonne lacht bei 25Grad.

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Kategorien: Asien-halt | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „You’re my heart, you’re my Seoul

  1. Elke Schütt

    🙂 ….das wird ja wieder spannend…nicht nur für Euch, die Ihr scheinbar wieder das Abenteuer sucht, nein auch für uns Sicherheitsliebende, die sich das ganze gern am Bildschirm zu Hause präsentieren lassen…
    Wie auch immer…danke für den Bericht. Chrischie: du schreibst wirklich köstlich und machst so banale Dinge wie Schwierigkeiten rund um den Flug zu einem spannenden Roman. Du solltest ein Buch schreiben 🙂
    Ich wünsche Euch einen traumhaften Urlaub !!
    Ganz liebe Grüsse
    Elke

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