Da stehen wir an der Straße und warten auf unsere Tour, als ne fahrende Einfamilienhaushälfte an uns vorbeizieht. Ich dachte noch „Wow, stattlich“, als ich schon die Bremslichter sah und der weiße Bus drehte. Heraus sprang: Britta! Damit sind es jetzt offiziell drei Ohlendorfer in Hervey Bay, Queensland. Naja zugezogene und weggezogene eingerechnet. Verrückt!

Unser Ziel für heute, Fraser Island – die größte Sandinsel der Welt. Auf dieser Insel kann man entweder mit eigenen Allrad-Fahrzeug durch die Dünen und Wege schneiden oder mit einem Gelände-Bus. Leider waren wir etwas spät – falsch, spontan – vor Ort und es gab nur noch die geführte Tages-Tour. Am Anfang wie immer, das Länderquiz: 8 Kandidaten sitzen im Bus und Butch, der Wetter- gegärbte Tourguide geht die Nationen durch. Also, wieviele Deutsche werden es sein, Chinesen kann ich bereits optisch ausschließen – ist ja aber auch wieder viel Wasser und Natur im Spiel:
1. Portugal (OK, kannst nix schlechtes drüber sagen)
2. Dänemark (OK, könnte ich spontan gar nichts drüber sagen)
3. Franzosen (Will ich nichts zu sagen)
4. Thailand und England gemixt (hehe)
5. England (Auf unsere Reise bisher immer sympathisch)
6. Schweizer (das war knapp)
7. Wir
uuuund sollte es tatsächlich klappen….
8. Germany ( Mist, wieder nichts und dann nicht mal Ohlendorfer)
Nach kurzem Schnack hat sich die Gruppe, besonders die Bayern und Engländer aber als super nett heraus gestellt. Guter Start also für den Tag. Kurz geht Butch noch die Sicherheitsanweisungen durch und erklärt, wie stolz er auf sein MAN Fahrzeug ist, weil nur dieses Fahrzeug aus Deutschland über die nötigen Qualitätsanforderungen verfügt ..blablabla.. jaja, wie im Flieger, dieser Sicherheitsquatsch ist doch nur für Versicherungen, damit hier später keiner auf die Idee kommt den Laden zu verklagen – leg endlich den großen Gang ein und fahr los. Und das tat er, denn was dann kam, treibt jedem Sportarzt die Tränen in die Augen. Butch ist derartig schnell und hart über Stock, Stein, Baumwurzel und Dühne geschnellt, dass hinten im Fahrzeug für Sekunden Schwerelosigkeit herrschte. Die Anschnallgurte pressten einem die Luft aus den Lungen, während nicht gesicherte Gegenstände wie Flaschen und Schuhe durch den Wagen flogen. Herr im Himmel, was treibt den Mann an? Hass? Der ganze Bus war krampfhaft im stillen Überlebenskampf verstrickt, nur hinter mir jauchzte es vor Glück. Ein wildes Durcheinander aus lachenden Zähnen und blonden Locken wirbelte Hin und Her, jubelte vor Freude und lachte, während es beim Auf- und Ab sein zweites (oder drittes?) Frühstück verputzte. Ich wollte mich nur für eine Sekunde umdrehen, um auf die Szene einzugehen, als ich meinen Gurt hierzu etwas lockerte oder abschnallte. Ganz genau weiß ich es nicht mehr, denn die nächste Bodenwelle riss mich derartig hart vom Sitz und schlug mich gegen die Scheibe, dass ich kurz Schwarz sah. Das Lachen wurde nun noch stärker und hörte auch dann noch nicht auf, als wir schon längst aus dem Bus ausgestiegen waren um die erste Attraktion unser Tour zu besichtigen.
Was folgte waren 118 Kilometer feinster weißer Puderzucker-Sand und azurblaues Meer. Warum die blumigen Worte? Weil das Meer hier im nördlichen Australien ein bisschen wie „Nur gucken, nich anfassen!!“ ist. Entweder sind hier diese giftigen Quallen unterwegs oder sonst ein Getier. So auch diesmal. „Wer ins Meer geht stirbt“ knarzt es aus den Lautsprechern, „Wenn ihr Glück habt, reisst euch aber die starke Strömung schnell raus und ihr ertrinkt, bevor euch die Haie erwischen … die brüten hier“. Blöde Natur!
Aber ich kann nicht lange düsteren Gedanken nach hängen, denn was ich nun sah, verschlug mir den Atem . Ein paar Meter weit von uns thronte majestätisch eine weiße Dame und reckte stolz ihre Arme in die Sonne. 12,4m Spannweite, 340km/h Höchstgeschwindigkeit und eine Dienstgipfelhöhe von 6100 Metern. Eine Gippsland GA-8. Gelenkt werden durfte sie von einem etwas dicklichen Piloten mit fleckigen Anzug und dem krassesten Minipli aller Zeiten. Wer kann, der kann – der Mann ist Pilot. Ich will hier jetzt nicht noch endlos rumeiern, der Tag war super. Der Flug, Butch’s Folterfahrt im MAN, Schwimmen im Bergsee, Strand, Lunch, Fähre – alles. Australien zeigt sich bisher von seiner schönsten Seite: kein Regen, mich hat noch nichts gebissen und die Landschaft ist wirklich atemberaubend – vorausgesetzt man mag Sonne, Meer, Strand und Dschungel, nen Nadelwald oder gar ein Ski-Gebiet hab ich hier noch nicht gesehen.
Wir überspringen mal ein paar Tage, in denen wir nur am Strand lagen, durch Landschaften gezuckelt sind und es uns hier gut gehen lassen. Wir trinken relativ viel Bier und Wein hier, schließlich ist Dehydration ein nicht zu unterschätzender Gegner in der Sonne, finden abends fast immer ein Pub, eine Bodega oder zumindest ne Eckkneipe und können langsam verstehen, warum es den Menschen hier so gut gefällt.
Was ein bisschen zu kurz kommt, ist unser Tier-Glück. Bisher haben wir nur Schnabeltiere, tausend Echsen, tote Kängurus, Spinnen und Schildkröten gesehen. Also, wenn die Tiere nicht zu uns kommen wollen, müssen wir eben zu den Tieren. Wir haben uns für Steve Irwin’s Australia Zoo entschieden. Steve Irwin ist (war) der Crocodile Hunter und in Australien so etwas wie ein Volksheld. In Deutschland kennt man ihn vor allem von RTL2, wo er in seiner Doku mit allerlei australischen Vieh schmuste und selbst die gefährlichsten Tiere mit einer an Autismus grenzenden Freude vorstellte. Dabei war er stets in Khaki gekleidet und schrie pausenlos „Crikey“. Seine Familie leitet nach seinen Tod den Park und man kann dort australische Tiere so artgerecht beobachten, wie es ein Zoo eben zulässt. Für mich ohne Tollwut Impfung ein gefährliches Spiel. Wir haben also den Nachmittag damit verbracht uns durch die australische Fauna zu gucken, Koalas und Kängurus zu streicheln und an einer Krokodilfütterung teilzunehmen. Besonders Koalas haben es uns dabei angetan, da es wohl kein Tier gibt, was eine ausgeprägtere Scheissegal-Einstellung pflegt. 20 Stunden am Tag wird gegessen und gedöst. Nicht mal zum Trinken müssen die Knaben vom Baum, da sie ihre Flüssigkeit aus den Blättern ziehen. Evolution at its best. Nebenan sitzt ein Vogel im Gehege, der Tag und Nacht den Wald aufräumt, Baumsamen verteilt und sich ein Bein für die Natur ausreisst, weil er aber hässlich wie die Nacht ist, heißt er nur „Hausmeister des Waldes“, während alle vor den Koalas stehen und ihnen den Rücken kraulen während sie schlafen.

Wie immer ein Tierfreund. Da lässt sich das Vieh von jedem im Park füttern, aber kaum kommt Magnani - schnell weg
Jetzt sind wir in Brisbane angekommen, haben wieder ne Wohnung und schauen mal was die Stadt so zu bieten hat. Morgen wollen wir zum Rugby und bis dahin werden wir uns schon die Zeit vertreiben.










‚NEUES AUS UHLEN-BUSCH‘
Genießt weiterhin die Zeit und trinkt ab und an ein Gläschen auf die Daheimgebliebenen in der Gärtnerstraße.
Ganz viele – wenn auch nicht weihnachtliche – Grüße; auch an MARK. :-))
Ich muss mich jedes mal aufs neue überwinden Eure Beiträge zu lesen, da der Neidfakter steigt und steigt und sich die Erinnerungen an Swantjes und meinen Trip vor gefühlten Jahrzehnten (öhm ist ist mehr als ein Jahrzehn her) zurückmelden! 😀
Aber ich bleibe tapfer uns lese weiter 😉
Ich liebe Australien!
Viel Spass weiterhin…