Elefanten – oder so ähnlich…

Dieser Bericht wird von meiner Seite etwas kürzer oder zumindest nicht so informativ ausfallen – aber dazu später mehr. Der Grund warum wir gerade so viel schreiben liegt darin, dass wir sehr viel durchs Land reisen. Auf ner Karte sinds nur ein paar hundert Kilometer, aber da es hier keine Bahnstrecken und nur Flughäfen für Propeller-Maschinen gibt, sitzen wir im Bus…schon wieder. Fairerweise sollte man sagen, dass es auch meist keine Strassen gibt, aber dass soll hier keinen stören. Busfahren hingegen bedeutet Zeit mitbringen, 9 Stunden um genau zu sein, denn so lange dauert die Fahrt nach Sen Monorum, der Heimat der Elefanten.
Hier gibt es das Elephant Valley Projekt, ein Projekt in dem Elefanten, die misshandelt oder nicht-artgerecht behandelt wurden, wieder in den Dschungel ausgewildert werden. Dschungel? Schon wieder? Ja, Dschungel – schon wieder! Wir beide kommen also nach 9 Stunden Fahrt, im filmreifen Sonnenuntergang der Ost-kambodschanischen Bergregion an und waren voller Vorfreude was noch kommen soll. Und es kam noch was, zumindest für mich.

Die Vorfreude ist auch dadurch bedingt, endlich den Bus verlassen zu dürfen, denn stundenlang sind wir durch die eiskalte Folklore-Hölle gegangen. Die Lüftungsregulierung der Klimaanlage im Bus war kaputt und es gab nur die gnadenlose Eiszeit-Stufe bei voller Windgeschwindigkeit – zugegeben, ein Kontrast zu den sommerlichen 35° Außentemperatur. Wir mussten uns also mehrere Kleidungsschichten überziehen, wodurch sich Nadi in einen sunnitischen Freiheitskämpfer verwandelte. Ein anderes Problem war das Board-Entertainment. Neun unendliche erscheinene Stunden lang, liefen traditionell kambodschanische Folklore Videos in Endlosschleife, selbstverständlich auf höchster Lautstärke und dargeboten von farbenprächtigen Barden. „Sorry, kann man das vielleicht ein bisschen leiser machen? Das ist sehr laut“, fasse ich mir ein Herz und frage den Busfahrer. „Haha, no no“ entgegnet dieser. Natürlich nicht. Nur als er wenig später kurz telefonieren will, scheint es wie durch Zauberhand wieder zu funktionieren. Busfahrer, Prüfer und Fahrschullehrer sind wohl auf der ganzen Welt alle gleich.Die Landschaft ist aber alle Mühe wert und wirklich wunderschön hier draussen.

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Nadi als Widerstandskämpfer

Es gibt auch noch ein Video aber das Hochladen dauert hier ewig. Kommt aber noch.

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9 scheiß Stunden

An der Pension angekommen, erwartete uns ein Traum aus Holz – Rundum Holzvertäfelung – um genau zu sein, inklusive eines Badezimmers geschmückt mit der Sekundärbehaarung des Vormieters. Aber sanitäre Anlagen sind ja eher Magnani’s Problem, da ich mich hier eh nicht lang aufhalten werde. So der Plan.

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Holz in der Hütte

Dem guten Gastgeber rasch zur Küche gefolgt, in dem der Koch (der auch schon unser Taxifahrer war) bereits unser Abendessen zubereitete, etwas Small Talk und dann wieder aufs Zimmer – schließlich wollen wir morgen früh zu den Elefanten. Ich war gerade beim Lesen als ich ein lautes Quicken aus dem Bad vernahm. „Da ist eine Spinne“. Augen rollend warf ich meinen Schlafsack zur Seite, klopfte Nadi noch wohlwollend jovial auf die Schulter und setzte zum „Ach Schatz, soll der Mann im Haus ma….. heilige Scheiße“ Was da im Bad saß war keine Spinne sondern ein Tier. Alles was größer als eine Kinderfaust ist und ich mit meinem Schlappen höchstens verwirren kann, darf ich hier in einem hoch buddhistischen Land bestimmt nicht töten. So meine Ausrede. „Zieh hier jetzt bloß kein Männer Ding durch Schliecker, sondern lass uns einfach jemanden holen“ kam es von links. „Kein Problem, mein männliches Selbstwertgefühl opfere ich gerne für das Ding da, hol den örtlichen Henker und lass es uns zu Ende zu bringen“.

Ich hatte den Koch-Taxifahrer erwartet, aber es kam sein 12 Jähriger Sohn. Natürlich. Als der Lütte die Hütte betrat, saß ich betont lässig auf dem Bett, die männliche SportBild in der Hand und wies mit einem Nicken zum Ort des Verbrechens. Die Schreie und Schüsse aus dem Bad muss ich wohl verpasst haben, aber jedenfalls kam er wenig später mit der Leiche an mir vorbei und hat sie im Dschungel entsorgt. Nadi saß danach wie eine Eule auf ihren Bett und starrte in alle Ecken…pah Frauen, das bisschen Spinne…

In der Nacht weckte mich dann mein Magen. Bitte nicht. Ich hatte bereits die Peking Ente in China dank Willenskraft in mir gehalten aber diesmal würde es einen Exorzisten bedürfen. Ich bin im Kopf kurz meine Optionen durchgegangen. Es gab keine. Da wir uns entschlossen haben, diesmal leicht zu reisen und unser Gepäck im Hotel in Phnom Penh zu lassen, haben wir auch Nadis Reiseapotheke dort gelassen. Diese Reiseapotheke beinhaltet jedes Heilmittel der westlichen Medizin und wir könnten damit vermutlich sogar am offenen Herzen operieren – nur leider trennen uns neun Stunden Folklore Bus von ihr. Ich war also auf mich gestellt…naja eigentlich habe ich bereits gekniet als mir diese Gedanken durch den Kopf stiegen, denn egal wie eklig diese Toilette war, jegliche Form von Scham hatte der Sohn des Gastgebers ohnehin schon zusammen mit der Spinne hier im Bad getötet. Es wurde hässlich.

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Rollentausch: Mein Nemesis

Als der Wecker um 6 klingelte, lag ich frierend und halb tot auf dem Bett – an Elefanten nicht zu denken. Da ich Nadi aber nicht alleine gehen lassen wollte, habe ich mich angezogen, „frisch“ gemacht und bin ihr zum Bus gefolgt, der uns zum Treffpunkt bringen sollte. Natürlich lag dieser Treffpunkt neben einer Garküche, in der gerade wieder irgendwas zubereitet wurde, was meinen Magen in Lauerstellung brachte. Mir brach kalter Schweiß aus und ich musste Nadi davon überzeugen, ohne mich zu den Dickhäutern zu fahren. Im Gedanken, dass mir etwas Bewegung und frische Luft gut tun würde, machte ich mich alleine auf den Rückweg. Ein Irrglaube, denn 50 Meter weiter kniete ich bereits wieder am örtlichen Kreisel. Schleppend erreichte ich die Pension, in der ich den heutigen Tag in wundervoller Dunkelheit verbringen würde. Ich kaufte noch eine asiatische Red Bull Variante und eine Cola. Wem Energie fehlt, der braucht Energie – ganz klare Gleichung.

Ich weiß nicht, was mich geritten hat, aber dieser No-Name Energy Drink war definitiv die falsche Wahl. Ich lag im Bett und mein Herz hämmerte wie das einer Spitzmaus mit Todesangst. Als Nadi spät am Abend heim kam, lag ich noch unverändert an der gleichen Stelle und starrte ins Dunkel. Gott sei Dank hat sie mehr Grips als ich, kaufte Wasser und peppelte mich soweit reisefertig auf, damit ich die Reise im 9-Stunden-Folklore-Bus zumindest körperlich überstehen konnte. Denn es ging schon wieder zurück nach Phnom Penh. Tolle drei Tage.

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Mein Verließ

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Nadis Tag: Elefantenwaschen

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Nadis Tag: Elefantenwaschen

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Bla bla bla: Immer noch Nadis Tag

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Das könnte ich auch stundenlang machen

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... Elefanten...schon wieder

Kategorien: "Weltreise" | 4 Kommentare

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4 Gedanken zu „Elefanten – oder so ähnlich…

  1. Vero

    ihr müsst aus diesem blog ein buch machen, wenn ihr wieder da seid 😀 ich freu mich jedes mal auf euren nächsten post!

  2. Silvia Magnani-Oehlke

    Ich hab nur darauf gewartet, daß Nadia auf eine Spinne trifft… Wir krümmen uns vor lachen 🙂 Chrischi: Deinem Magen gehts hoffentlich wueder besser. LG Silvi & Carsten

  3. nmag16

    Hier ist zu erwähnen, dass Chrischi und ich an dem Abend dasselbe Essen hatten – Reis mit Gemüse..

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