Viet Nam Teil 1

Sweet Lord, was waren das für Tage. Nachdem ich Macau trunken vor Habgier und Hoffnung, von nun an jeden Tag arbeitsfrei mit einem Glas Schaumwein beginnen zu können, gerade noch eben bei +-0 verlassen habe, kam auch schon Vietnam und der Taifun Haiyan.

PS: Nochmal zurück zur Wäsche: Ich habe offiziell mehr für die Reinigung meiner Wäsche bezahlt als für das Hotel und den Flug nach Hong Kong. Manche der T-Shirts waren sogar im Kaufpreis niedriger als die Reinigung. Dafür wurden die Stücke wieder original verpackt.

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Meine 240 Eur Wäsche

Zurück zur Reise und dem Taifun. Wir mussten in Macau in die Schnellboot Fähre steigen, um die tosende See in Richtung Hong Kong Airport zu überqueren. Der Kapitän muss mit einem gesunden Gottvertrauen in seinen Dampfer ausgestattet gewesen sein, anders ist es nicht zu erklären was ihn dazu bewegte, sein Boot immer und immer wieder mit Volldampf in die Wellen zu werfen. Unter Deck herrsche dementsprechend Beerdigungsstimmung, als die Türen vom Sturm aufgeworfen wurden und das Schiff hin und her schleuderte. Nur die beiden Kinder von der Waterkant saßen jauchzend am Fenster um sich das Naturschauspiel anzuschauen und hätten glücklicher nicht sein können „Pah, diese Landratten, das muss das Boot abkönnen“.

Nur einen Wimpernschlag später saßen wir bei der gleichen Windstärke im Flieger nach Hanoi und irgendwie war es dann nicht mehr so lustig… Der ganze Flieger lag schnarchend in seinen Sitzen, nur die beiden Kinder von der Waterkant krallten sich blutleer an ihre Sitze und machten ihren Frieden mit Gott. Mit der chinesischen Gleichgültigkeit ausgestattet, hat unsere Nachbarin es sich dann auch gleich so richtig gemütlich für die Landung gemacht – nämlich liegend. Bis zum Gate lag sie schnarchend neben uns.

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Locker für die Landung ausgestreckt

Hanoi
Da wir, um 360 EUR zu sparen, anstatt 2 Std. den ganzen Tag unterwegs waren (…), kamen wir dann gegen Mitternacht in Hanoi an. Während der Taxifahrer mit verantwortungsvollen 240kmh durch den nächtlichen Verkehr Hanoi’s schnitt, konnten wir uns schon ein ungefähres Bild der hiesigen Verkehrsregeln machen. Im Straßenverkehr zählt hier das kommunistische Kollektiv – bedeutet, jeder darf mitmachen und das am Besten gleichzeitig. Unser späterer Gastgeber hat es so erklärt: „The road is the fucking ocean and the strongest animal set the tone. Busses are fucking sharks, no one messes with sharks! Motorbycicles are colorfull fishes and fucking everywhere. You my friend are just a goldfish, no ones cares what you do. Just dont die“ Was ein Poet!

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Hanoi 1

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Hanoi 2

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Man sagt, Vietnamesen sind herzliche Menschen die gerne umarmen und knuddeln, auch in die Taschen. Daher haben wir uns früh für die modische Bauchtasche entschieden – nur für den Fall jemand könnte uns eventuell nicht für Touristen halten. Das ist natürlich Quatsch, weil wir beiden hier in Hanoi so auffallen wie bunte Hunde. Damit wir nicht auch noch bunte Hunde essen, haben wir uns diesmal für eine geführte Tour durch die kulinarischen Leckereien der Märkte entschieden und wurden belohnt. Die vietnamesische Küche ist wirklich vielfältig und lecker. Die Kuriositäten mal ausgenommen. Wir durften zusehen, wie am Bürgersteig einer vielbefahrenen Kreuzung frisch geschlachtet wurde, Schildkröten für den Verzehr gegart und aus nem Eimer Brackwasser mit Würmern und etwas Eiern, Pfannkuchen entstehen. Auch Hunde und gedämpfte Kuh-Häute waren auf der Karte. Wir haben uns dann für den Fruchtbecher entschieden. Auch lecker.

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Beim Grillen auf der Straße mit Amis und Aussis

Halong
Nach all den Städten der letzten Tage lag uns Landeiern der Sinn nach etwas Natur. Genau genommen Meer und Natur. Eine Schifffahrt in die Halong Bucht war also genau das Richtige um mal wieder die Seele baumeln zu lassen und sich den vietnamesischen Staub abzuklopfen. Zusammen mit 19 weiteren Menschen aus aller Herren Länder haben wir auf der Dragon Pearl angeheuert und stachen kurz darauf in See. Das besondere an der Dragon Pearl ist, dass nur sie und 4 andere Boote Zugang zu einem bestimmten Teil der Bucht haben und man dort alleine ist. Die anderen 640 Boote teilen sich den Rest.

Eine Gruppe freundlicher Polen saß neben uns und man geriet schnell ins Plaudern. Was meine Aufmerksamkeit erregte, war jedoch die Tasche, die mein Nachbar bei sich trug, denn sie war voll mit Hygiene-Artikeln. Sollte etwa … nein, dass kann nicht sein.

Als er aber auch noch den Deckel der Cola Dose vor dem Trinken misstrauisch beäugte und das Eis aus dem Glas kratzte musste ich einfach fragen. „Sorry, bist du etwa ein Freak?“ Und tatsächlich, ich hatte am anderen Ende der Welt wahrhaftig Nadis statistischen Zwilling gefunden. Sofort entflammte zwischen den beiden eine wissenschaftliche Abhandlung über mögliche Krankheitserreger, Übertragungswege und die besten Präventationsmaßnahmen. Dann allerdings wurden die Messer gewetzt, schließlich wollte man sehen wer der größere Hypochonder ist. Nadi konnte ganz klar mit ihrem Fachwissen über Bakterien und Krankheiten, Absturz-Quoten aller gängigen Airlines und ihrer Liste mit Schwerpunkts-Krankenhäuser punkten. Der Pole war jedoch hoffnungslos paranoid, vermied Melonen (“ Die nehmen das ganze schlechte Wasser von außen auf“), trinkt niemals aus bereits geöffneten Flaschen – auch nicht von Freunden – und desinfiziert sogar das Besteck. In Puncto Vorsorge waren zwar beide gleich auf, da er die Malaria Medikamente aber bereits nimmt und Nadi sie nur vorsorglich bei sich trägt, geht insgesamt das Rennen an unseren slawischen Nachbarn. Ein knapper Sieg gegen meine blonde Spinnerin. Ach ja, die Ausfahrt in die Bucht war dermaßen schön, dass ich sie sofort in meine Top 5 der schönsten Orte mit aufnehme.

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Kritisch ob es tatsächlich vegetarisch ist

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Unsere Koje

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Nadi wird erst am nächsten Tag merken, dass ich nicht gepaddelt habe

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Die Dragon Pearl

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Halong Bucht

Phong Nha
Nach der Halong Bucht sollte uns sofort der nächste Naturkracher Vietnams erwarten. Die Höhlen in Phong Nha. Zu erreichen über eine 10-stündige Eisenbahnfahrt Richtung Süden. Na denn. In Hanoi nochmal für kleine Mädchen, rein in die Koje und los geht die wilde Fahrt. So zumindest der Plan. Die Toiletten in der Bahnstation Hanoi kommen ebenfalls in eine Art Hitliste und ich sollte später noch oft an sie zurück denken. Nachdem ich die Lady vor der Baracke auf amtliche 2.000 Dong Eintritt runter handeln konnte (Startpreis 200000), durfte ich die Wohlfühl-Oase betreten. In der Tür schmiss mir ein Amerikaner noch ein „Enjoy what you paid for“ entgegen und schon schlich ich die Treppen in die Katakomben der Station herunter. Mich empfing ein beissender Urin-Gestank, der von einem Raum mit kaputten Fliesen und flackerndem Neonlicht ausging. Im Fernsehen hätte ich jetzt meine Waffe gezogen und im Hintergrund liefe leise Klaviermusik. An der Wand hingen nur Eimer und in der Mitte stand eine Tonne mit etwas, was Wasser gewesen sein könnte. Ich werde in Zukunft noch häufig von diesem „WC“ sprechen, da ich jetzt meinen persönlichen Vietnam-Flashback habe, aus dem ich nachts schweißgebadet erwache.

Die Zugfahrt war unspektakulär und für Menschen unter 1,60m bestimmt bequem. Ich habe mir pausenlos den Kopf gestoßen, als ich in Fötus Stellung liegend versucht habe, der Klimaanlage auszuweichen, die das Abteil auf kuschelige 10 Grad runter kühlte. Als der Wecker um 4:30 Uhr klingelte, damit wir unsere Station nicht verpassen, standen wir wie gerädert im Gang der dunklen Bahn. Auf dem Boden im Flur schlief der Schaffner der uns schlaftrunken aus rot-geäderten Augen ansah, als wir über ihn stiegen und bellte „one more hour, one more hour“. OK Freundchen, Punkt 1: woher willste wissen wo wir hin wollen und Punkt 2: du machst jetzt nicht den Eindruck als wärst du auf dem neuesten Stand und weißt, wann wir wo sein werden – wir warten besser hier! Eine Stunde später waren wir da.

Als wir mitten im Nichts aus dem Zug stiegen, riefen wir unseren Gastgeber an und dieser schickte uns einen Fahrer zur Bahnstation. Müde und frierend stiegen wir ins Auto und schon wieder stach uns Urin-Geruch in die Nase. Ach Jungs, ernsthaft? Nadi hat ihn sofort, angewidert und übermüdet, gedanklich das Trinkgeld gestrichen, auch wenn er noch versuchte mit beiden geöffneten Fenstern die Nummer zu retten. Später stellte sich heraus, dass als wir in der Bahn vor der Toilette auf unsere Station warteten, ich meinen Rucksack in – sorry – Pisse gestellt haben muss. Jedenfalls war es nicht der Wagen, sondern wir, die nach Urin stanken. Der arme Fahrer musste uns zwei Stinker nicht nur eine Stunde in die Wildnis fahren und den Gestank ertragen, sondern wurde dafür auch noch angefeindet. Hoffentlich hält er uns für Engländer.

Was dann kam, war fast ein wenig viel. Der Fahrer bog auf eine kleinen Hof und was wir sahen war – das:

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Das Pepperhouse

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Die Pepperhouse Küche

Anstatt wie erwartet eine gemütlichen Pension vorzufinden, landeten wir in einem Homestay, dem Pepperhouse. Homestay bedeutet, bei einer vietnamesischen Familie unter authentischen Bedingungen zu leben. Es war eine Scheune. In dieser Scheune schliefen neben der Familie noch vier weitere Gäste. Zudem gab es Hühner, Hunde und die Toilette war ein Plumsklo, neben dem ein Eimer Reis stand, den man nach seiner Notdurft einfach hinterher kippt. Unsere Gastgeberin Jhimy sagte, wir sollen uns doch noch 2 Stunden hinlegen bevor unsere Tour beginnt. Nach der letzten Nacht völlig erschöpft, stand ich irgendwo im Dschungel Zentral Vietnams im strömenden Regen vor einer Scheune und war fix und fertig. Mantra artig betete ich „Es wird schon“ vor mich hin, als ich – wie schon so oft – mit Schwung gegen die 1,50m hohe Steintür nagelte. So das wars diesmal, der Schädel ist gebrochen. Selbst wenn Nadi ne Spezialklinik in der Nähe kennt, werde ich es nicht mehr rechtzeitig schaffen. Da habe ich Fallschirmsprünge, Leben in Harlem und die Kochkünste von Nadi und meiner Schwester überlebt, um jetzt hier in Vietnam an einem Türrahmen zu sterben. Ich weinte still in mein Kissen. Aber wenn ich mit den 12$ für die Übernachtung hier das Leben der authentischen Familie nur ein wenig lebenswerter machen konnte, würde ich in Frieden gehen können.

10 Minuten später saßen wir am Frühstückstisch, trafen die anderen Gäste und freuten uns auf den Tag. Wir wanderten im Dschungel, schwammen in dunklen Höhlen tief in den Bergen, fuhren Kayak und stießen abends mit Rum auf den tollen Tag an. Später saßen wir noch am Lagerfeuer, tranken Bier mit dem australische Mann von Jhimy, aßen tolles Essen und haben wirklich unvergessliche zwei Tage im Dschungel erlebt. Dicke Empfehlung an das Pepperhouse!

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Kriegs-Highway 20

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Dschungel Pfad

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Größte Trocken Höhle Asiens

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Höhle

Da Hue und Hoi An vom Taifun mitgenommen wurden, gehts direkt nach Saigon – in die Ursuppe Vietnams!!! (Und in ein Hotel)

Wir haben noch tausend Fotos und witzige Sachen erlebt, aber irgendwie kommen wir nicht mehr zum Schreiben. Morgen machen wir nen Kochkurs und schauen uns mal Saigon näher an.

N+C

Kategorien: "Weltreise" | 7 Kommentare

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7 Gedanken zu „Viet Nam Teil 1

  1. Ivano

    ich weiß……..es wird mit ….n….. geschrieben………..war ein tippfehler(bevor ihr mich in der luft zerreißt)

  2. Ivano

    Scheiße….. ihr beide müßt umbedingt ein Buch schreiben!!!!!!!!!!!!!!!!

  3. Dan

    Langsam werde ich neidisch…. Zu früh hänge ich meine urlaubspläne an den nagel! Ihr wisst schon hehe

  4. Flo

    Ich habe Bauchschmerzen vor Lachen!
    Und das ist nur zu 50% aus Schadenfreude 😉

  5. Britta

    Hey ihr beiden,
    es bringt total Spaß eure Reise hier zu verfolgen! Bin irgendwie immer nur am Grinsen wenn ich eure Reiseberichte lese 😉
    Geniesst es weiterhin und hab noch eine tolle Zeit!
    Liebe Grüße

  6. Claudio

    Laaangsam, ihr seid nicht zum Spaß auf Weltreise;-), viele hier fiebern eurem klasse Reisebericht entgegen.
    Spaß beiseite, aber der Tip mit dem Helm wäre zu überdenken.

    Viel Spaß noch euch beiden

  7. Heike

    Cám ơn für den tollen Bericht. Vielleicht solltest Du Dir ‚mal einen Helm zulegen 🙂
    Bei den ersten Spekulatius und Lebkuchen denken wir oft an Euch.
    Ganz viele liebe Grüße von
    Heike und Jean-Louis

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