Wir haben das große Los gezogen – zumindest wenn unser Ziel darin bestünde, möglichst viele Japaner in möglichst geringer Zeit kennen zu lernen – denn es ist Feiertag in Japan und das bedeutet, mit Kind und Kegel ein Ausflug zu unternehmen. Wohin? Überall hin! Zudem gibt es hier ne Menge Kinder und Kegel. 126 Millionen um genau zu sein und wir sollten sie alle treffen!
Naiv wie wir sind, haben wir uns also Disneyland Tokio als besonderes Bonbon für einen Samstag am verlängerten Wochenende vorgenommen. Menschen die so was tun, fahren auch am Samstag zu Ikea, wenn Schlussverkauf ist oder es Kötbullar umsonst gibt. Es war derartig voll, dass man min. 3 Std. Wartezeit je Attraktion einplanen musste – von Toiletten oder Restaurants ganz zu schweigen. Wir haben uns daher die weniger populären Attraktionen ausgesucht – zum bsp. Captain EO, ein 3D Film Spektakel aus den 80ger Jahren mit dem noch schwarzen Michael Jackson in der Hauptrolle. Da in den 8Ogern nicht nur das 3D Kino, sondern Grafik im Allgemeinen noch in den Kinderschuhen steckte, war es eher ein grelles Trommelfeuer auf die Augen als ein WOW-Erlebnis. Wett gemacht wurde es aber durch die … ach was, lirum larum = es war scheiße.
Also schnell weg hier und ab Richtung Mt. Fuji, dem sagenumwobenen Berg aus dem Mila-Superstar Vorspann. Auch hier wimmelte es vor Japanern, sodass wir 6 Stunden damit zu brachten, entweder in einer Schlange zu warten oder wie Vieh in überfüllte Berg-Eisenbahnen gesteckt zu werden. Diese fuhren dann in wahnwitziger Schrittgeschwindigkeit hinauf zur Aussichtsplattform, vorbei an Schwefelminen, herbstlichen Wäldern und noch mehr Japanern. Ich glaube, auch die werden hier irgendwo abgebaut. Abgekämpft zurück in der Zivilisation haben wir dann unser Zugticket gezogen, um mit dem Shikansen und einer untertriebenen Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 800 km/h, im gestreckten Galopp nach Kyoto zu gleiten. Der kosmopolitischen und kulturellen Hauptstadt Japans, im Westen der japanischen Hauptinsel Honshū. (Danke Wiki, ich hätte nur Japan gewusst)
Hier geriet dann alles etwas außer Kontrolle, besonders in puncto Kultur..
Als wir schließlich tief in der Nacht im verregneten Kyoto angekommen sind, haben wir uns für ein Taxi zu unserem Gasthaus entschieden. Leider konnte der Taxi Fahrer kein Englisch und auch die Adresse der Pension schien ihm nichts zu sagen, was ihn aber nicht von einer lautstarken Argumentation abhielt, bei der er immer wieder auf meinen Zettel mit der Adresse zeigte. Was folgte war eine durch und durch merkwürdige Kunden-Taxifahrer Beziehung. Wenn ich seine Gestiken richtig interpretieren konnte und meine daraus folgende Handlung korrekt war, hat er gelächelt – wenn ich daneben lag, hat er mir auf die Hand gehauen. Er wollte mich dazu bringen, die Telefonnummer unseres Gastgebers in sein Taximeter einzugeben, da dies über GPS den Ort lokalisieren kann. Was soll ich sagen, ich bin ein einfacher Mann und so einen technischen Hokuspokus habe ich hier und jetzt einfach nicht erwartet. Ich kam also nicht drauf. Tief betrübt über soviel Unverständnis fuhr er einfach los und weder rote Ampeln noch ich konnten ihn nun noch stoppen.
15 Euro später ließ er uns irgendwo in den Favelas Kyoto’s raus und zeigte auf ein Schild – vermutlich nur um uns endlich los zu werden, denn das Schild hatte rein gar nichts mit unserem Ziel zu tun. Vielmehr standen wir nun einfach irgendwo in Kyoto und der Regen wurde schlimmer. Die Gasse in der er uns ausgeladen hat, stellte sich als kulturelle Sackgasse raus. Kein Schild auf Englisch, keine Hausnummer, kein Nichts – nicht mal Menschen. Auch ein Anruf von einem öffentlichen Telefon brachte nichts, da unser Gastgeber ebenfalls kein Englisch sprach. Super Unterkunft meine Herren Expedia.
Dem Himmel sei Dank haben wir aus dem Nichts einen zweiten Taxifahrer erwischt, der uns ebenfalls nicht verstand, aber mich wenigstens nicht geschlagen hat und einfach bei der Pension anrief. Respekt, man muss auch Können können. So kamen wir schließlich also doch noch an. Nur wo eigentlich? Es sollte ein Roykan sein, was eine traditionelle japanische Unterkunft bezeichnet und den verspielt schlichten Charme eines leeren Raumes versprühte. Kammern mit Wänden aus Reispapier, Matten auf denen man sich bettet und sonst – nix. Ja, dieses Haus atmet Geschichte. Hört sich in der Theorie spannend an. Wenn man aber durchnässt und abgekämpft, mitten in der Nacht auch noch auf der Erde schlafen soll, nur durch eine Lage Papier vom Nebenmann getrennt… „Ich werd doch bestimmt von allen geweckt wenn die sich rühren“ denk ich noch, als Nadi schon ihre elektrische Zahnbürste angeschmissen hat und damit das komplette Haus mitten in der Nacht an ihrer Mundhygiene teilnehmen zu lassen. Wie bisher immer in Japan … irgendwie sind wir die Freaks.











Ich schon! Kann doch nicht 3 Monate auf professionelle Zahnpflege verzichten….
Ihr schleppt doch nicht ernsthaft eine elektrische Zahnbürste mit???
Vielen Dank, ich habe mich köstlich amüsiert!!!