Es war fast langweilig die letzten Tage. Estland, Lettland und Litauen sind sehr hübsche Länder mit hübschen Städten. Tallinn, Riga, Vilnius = super. Tolles Essen, nette Menschen, alles wie es sein soll.
Dann haben wir uns langsam für den Endspurt Polen heiß gemacht und wollten heute aus Vilnius los. Bereits am Morgen hat Ellie allerdings über Startbeschwerden geklagt und wollte nur müßig aus dem Bett. Man würgte und quälte sich beim Starten. Kein gutes Zeichen…hab ich die Batterie etwa irgendwie entladen oder wird sie nicht richtig geladen? Ich prüfe die Sicherungen aber finde nichts. Wir fahren erstmal ne Stunde, dann gucken wir nochmal.
Durchgefallen
Ich hätte den Ort für eine weitere Probe besser wählen sollen, denn es war nen Rastplatz mitten im Nichts. Rastplatz wäre an dieser Stelle eine Auszeichnung. Tatsächlich war es nur ein grüner Container mit zwei littauischen Buben im Kassenhäuschen. Ellie getankt und gestartet … nichts. Nur ein Klacken. Von meinem Golf 2 weiß ich noch, dass Klacken nicht gut ist. Überhaubt würden mir spontan nicht viele Dinge einfallen, bei denen ein Klacken gut ist.
Also wieder die gelben Engel angerufen, bei denen ich vermutlich schon auf der Fahndungsliste stehe. Wie immer, sehr freundlich abgewickelt. Nur wurden aus den 60-90 Minuten diesmal 3.5 Stunden. Der erste Abschlepper rief nach 90 Minuten an, wollte mir aber nur kurz sagen, dass er heute nicht mehr kommt. Wäre ja Sonntag. Nett, dass er trotzdem anruft. Der 2. rief an und wollte nochmal die Adresse und was denn genau das Problem sei. Ähm, ich kann dir die GPS Daten geben und nen Tipp Richtung Anlasser. Ansonsten, im Grünen zwischen Vilnius und Kaunas. Der 3. Anrufer wollte wieder die Adresse haben, wäre aber eh nicht vor 3 Stunden da, schließlich ist er noch 100 Kilometer weg. Oh Mann, ein Raser.
Hab mich dann in München nochmal erkundigt, wie es denn so weitergeht. Wird es Nummer 1, der gottesfürchtige Mann, der am Sonntag nicht arbeiten wird und bei dem wir an der Raststelle schlafen müssen. Oder Nummer 2, der Unbekannte Global-Player der eine Mischung aus Littauisch, Englisch und Deutsch spricht (Getriebe? GETRIEBE?) Oder wird es Nummer 3, der entfernte Retter, der für 100 Kilometer 3 Stunden braucht. Wer wird mein Herzblatt sein?
Do you know its Boch
Der ADAC war entrüstet und versprach, nochmal bei den Kollegen in Littauen anzurufen. Am Ende kam ne SMS : „Roadside asistance from ADAC come to you with truck IVECO color silver with logo Boch. Do you know?“
Ob ich Boch kenne? Oder Iveco? Hier kam in den letzten 2 Stunden keine Seele lang. Ich werde mich dem erstbesten Abschlepper vors Auto werfen. MAN oder Iveco. Silber oder rot.
Ich vermisse Gennadi jetzt schon. Den liebenswerten Tagedieb aus Riga. Was immer er für die Knast-Tattoos getan hat, es muss ein Verbrechen aus Liebe gewesen sein.
Dann kommt ein silberner Iveco Truck von Bosch. Bosch beruhigt mich. Abgas-Absprache hin oder her, schadhafte Software kann ich bei Ellie eh ausschließen. In dem Wagen sitzen 3 Leute. 2 steigen aus, der dritte scheint tot zu sein. Guter Schnitt.
Erstmal das Formelle. „Du bist der Liegenbleiber?“ Ich sehe mich fragend nach einem zweiten Wohnmobil mit offener Motorhaube um. Ja. Ich bin es. Dann schauen beide mit Zigarette im Mund tief in die Motorhaube. „Batterie“. Nee, Scheibenwischer gehen, Licht auch und außerdem bleibt die Ölstandsleuchte bei Zündung an, ist wohl die Magnetspule des Anlassers. Stolz schaue ich sie an. Ich hab die letzten 3 Stunden ein Fernstudium in Klugscheissen bei der Google-Universität abgeschlossen.
Der Erste schaut nochmal rein und bestätigt meine Diagnose. „Wir schieben an und du kannst weiter fahren.“ Ähm, wohin soll ich denn? Bis zur nächsten Tanke in Polen und dann wieder von vorn? Wir einigen uns darauf, dass wir in ihre Werkstatt fahren und sie es morgen vielleicht reparieren. Ok. Mehr kann ich nicht verlangen.
Dann klettert Nummer 2 auf den Bock und lacht, als er die Revolverschaltung sieht. „Was ist der Scheiss?“. Ein Fiat, Italiens Sperrspitze der Ingenieurskunst. Bisschen alt aber … ja was eigentlich? Gut in Schuss ist seit einer Woche ein wenig übertrieben.
Er fordert uns auf, dass wir ihn jetzt anschieben. Digger, du hast nen riesen Abschleppwagen. Können wir nicht mit dem anschleppen? Dann müssen wir nicht zu zweit ein Wohnmobil schieben, bis es anspringt. Wir schieben. Also wir zwei. Der dritte sitzt immer noch wie tot auf dem Wagen. Nach den ersten 3 Metern sehen alle ein, dass wir kein Wohnmobil schieben können. Wir schleppen an.
Nach ein paar Versuchen klappt es auch und Ellie tuckert. In Kolonne fahren wir durch Kaunas zu deren Werkstatt. Kurz vorher halten wir noch einmal und die zwei entsorgen die Leiche des Dritten. Alkohol-Leiche. Der Gute war breit wie ein Parkhaus und konnte kaum laufen.
Nun denn. Wir haben Ellie bei der Werkstatt geparkt und uns ein Taxi zum Hotel genommen. Kaunas also. Was gibt’s denn hier. Ich könnte die Eltern von Valdas Ivanauskas auf einen Tee besuchen. Aber was hätten wir uns nach 91 Spielen und nur 13 Toren ihres Valdas schon zu erzählen…
Gegen 11 Uhr nächsten Morgen kam aber auch schon der Anruf, dass alles wieder heil ist. 130 Eur für die Reparatur und ne 4 Eur teure Taxifahrt später sitzen wir wieder in Ellie. Diesmal Richtung Wolfsschanze…


































































