Schwed….Finnland

Auf unser Reise haben wir Norwegen mittlerweise verlassen und sind in Richtung Finnland auf ein kurzes „Hallå“ durch Schweden gekommen. Wir haben Norwegen fast bargeldlos bereist, da man jedes Kaugummi mit Kreditkarte zahlen kann, trotzdem hatten wir noch 100 Kronen und die sollten den Besitzer wechseln, am Besten an der Tankstelle.

Das Norwegen teuer ist, ist bestimmt in jeder Ecke der Republik bekannt – ebenso das Tanken hier. Die erste Tankstelle am Morgen wollte nochmal stolze 1,75 Eur für den Liter Diesel und ich haderte, da bestimmt noch bessere Preise Richtung Schweden kommen würden. „Tank doch einfach hier“, mischte sich Fahrerin Nr. 3 in den inneren Disput ein. „Aber das wollen sie doch Nadi. Uns ködern, dass hier die letzte Chance ist und dann kommt in 20km noch eine für 1,60! Guck mal, laut Navi kommen jetzt 90km feinste Strecke und da wirds auch ne Tankstelle geben.“ „Whatever, hauptsache wir bleiben nicht liegen.“

Die ersten 20 Min. kam nichts mehr und die Grenze rückte immer näher. Dann schien es, als wäre Norwegen die Ideen für ihre Landschaft ausgegangen und jetzt mal die Anderen dran sind. Wir befanden uns jedenfalls in der kärgsten Gegend seit dem Polarkreis. Nichts außer Geröll und Staub. Hmmh, etwas gab es doch noch: 10% Steigung. Berge… jetzt nicht sooo gut für den Tank. Nach weiteren 20 Minuten musste ich rechts ran fahren und Nadi die Vertrauensfrage stellen. „Ich glaube wir könnten da in ein Spritproblem laufen. Entweder drehen wir um und versuchen die letzte Tankstelle zu erreichen – die war ja auch nicht so schlecht – oder wir riskieren es über die Grenze. Irgendwann muss doch da auch ne Tanke kommen“ Google sagt, erst wieder in 60km. Na dann los. Jetzt mussten wir im ersten Gang wieder richtig klettern und das Geräusch aus dem Motorraum klang nicht gerade spritsparend.

Die Grenze kam näher und war tatsächlich nur ein Schlagbaum mitten in den Bergen. Schonmal keine Tanke, dafür ein herzliches Willkommen in Sverre. Gruß zurück. Jetzt waren es nur noch 40km zur Tanke. Wenn alles schief läuft, haben wir ja noch das Rad hinten. Aber 80km hin- und zurück würde ich nicht mal mit einer Schweineblut-Infusion irgend eines dubiosen Tour-de-France Mediziners schaffen. Jetzt noch 60km…wenn ich gut drauf bin, könnte ich übermorgen zurück sein. Noch 40km…langsam kriegen wir ne Chance, aber zurück müsste ich schieben. 20km…wir sind fast gerettet. Die letzten Kilometer verliefen schweigend, nur auf die rote Lampe und den Tacho gerichtet, sind wir mit unserrem Marschflugkörper auf den Platz der Tankstelle gerollt. 1,32 Euro. Na aber hallo! „Nehmen Sie auch norwegische Kronen?“

Jetzt ist Schweden nicht so günstig im europäischem Vergleich, trotzdem sah die Tankstelle plus Supermarkt mitten im Nichts aus, als würde sie gerade geplündert werden. Die Leute holten palettenweise Cola, Bier und Süßigkeiten aus dem Markt. Es stimmt also. Norweger plündern Schweden. Schweden plündern Dänemark und die Dänen kommen nach Schleswig zum Einkaufen. Übrigens, Betten und Kleiderschränke bei Ikea werden nach norwegischen Orten benannt, Polstermöbel und Türknöpfe nach schwedischen, Esstische und Stühle sind finnische und Teppiche, dänische Ortsnamen.

Also, was getankt, was gelernt und jetzt mal ein Blick in die Natur. Grün hier in Lappland. Tatsächlich habe ich noch nie so viel Wald gesehen. Die Straßen sind endlos lang, endlos grün und endlos gerade. Für unser nächstes Ziel, eine Pause vom Campen, in einem gemütlichen Häuschen mit allem PiPaPo für 2 Tage, müssen wir aber noch insgesamt 6 Stunden durch ewiges Grün in Richtung Finnland fahren. Eine kleine Bergkuppe erlaubt einen Blick über Lappland und tatsächlich, bis zum Horizont in jede Richtung war Wald. Wald. Wald. Dabei müssen wir wie Städter gewirkt haben, die das erste Mal Natur sehen. Als wir nämlich ein Rentier, versteckt hinter der Leitplanke ausmachten, waren wir ganz aufgeregt, haben gehalten, Fotos und Videos gemacht und sind dann ganz verzückt weitergefahren, nun endlich ein wildes Tier gesehen zu haben. Nach 6 Stunden Fahrt waren wir ernüchtert. Die Dinger sind hier häufiger als im Wildpark zu sehen. Ratten mit Hufen.

Jede.Straße.In.Lappland – Jede!

Es gibt mehr Rentiere als Menschen in Lappland.

Übrigens Natur, einer der Vorsätze aus dem letzten Dschungel-Urlaub in Malaysia war es, diesmal nicht ganz so rustikal zu wohnen. Mitten im Dschungel, alles voller Mücken und Ungeziefer, nein Danke. Daher also im Sommer nach Lappland… Ich glaube, hier wurden Mücken erfunden. Unser Kühler war schwarz voller toter Mücken als wir endlich an unser Hütte ankamen und die Stimmung ebenfalls. Denn wir saßen noch im Wagen vorm Haus stehend und wussten, das kann nicht gut ausgehen. Rustikale Hütte, im Wald, direkt an einem stehenden Gewässer und alles voller Gräser. Aber tatsächlich, was da durch die schwirrende Anzahl Mücken nur schwer zu erkennen war, ist unsere Hausnummer. Hier sollen wir zwei Tage leben. Ich bin also vorgelaufen und habe versucht die Tür zu öffnen, während mich Mücken groß wie Schwalben langsam leer gezuzzelt haben. Nach einer Ewigkeit habe ich die Tür endlich aufbekommen und Nadi, Harli und ich haben uns in die Hütte gerettet. Die Tür viel krachend ins Schloss und schwer zu glauben, aber drinnen scheinen noch mehr Mücken gewesen zu sein. Wie das tapfere Schneiderlein konnte man hier locker fünf auf einen Streich erlegen. Also wieder raus und in Elli verschanzt. Der Besitzer gab zu, dass der Vormieter vielleicht vergessen hat, eine Tür oder die Fenster zu schließen(!), aber Mücken seien wirklich normal in Lappland und gehören dazu wie Kälte, außerdem planen sie nächstes Jahr Mückengitter. Guter Mann, hier standen Fenster und Türen offen. Im Wald. An einem See. Du bist längst nicht mehr Besitzer hier, das sind jetzt Mücken. Airbnb sah es Gott sei Dank wie wir, hat das Haus den Mücken übertragen und wir konnten alles stornieren. Eine Einheimische hat uns wenig später erklärt, dass sie nen Bombensommer haben, da es dieses Jahr wenig Mücken gibt. Wenig Mücken… Dieser Ort dürfte gar nicht existieren. Es ist ein Mahnmal menschlicher Arroganz gegen die Natur.

Unser Ersatzhaus am See.

Apropos Natur. Wenn Norwegen vom Öl und der Natur lebt, scheint sich Finnland über Rentiere und Blitzer zu finanzieren. Ich glaube es gibt alle 100 Meter eins von beiden. Außerdem stehen hier überall Daddelautomaten, die man früher in den Imbissen und Kneipen stehen hatte. Ein Arbeitskollege aus Schweden hat mal gesagt, wir mögen unseren Kaffee schwarz und unsere Finnen verrückt. Das hält die Russen ab. 

Kann was dran sein, denn es gibt hier viele Momente, wo man zweimal an einer Person hängen bleibt. Außerdem ist die Sprache schwierig. Alle Wörter wirken, als würde die Tastatur klemmen oder jemand wäre beim Schreiben mit dem Kopf auf den Tasten eingeschlafen. Schwedisch und Norwegisch klingt wie betrunkenes Plattdeutsch aber Finnisch. Kino heisst Elokuvateatteri. Oder:

Bisher ist meine Verlustrate von Gegenständen im Urlaub übrigens noch recht niedrig. Als wir heute nach einen Bummel durch Porvoo zurück zum Auto kamen, sollte sich das ändern. Zuerst war unser Parkticket gerade 4 Minuten abgelaufen und man hat es uns bereits mit einer 50 Eur Strafe gedankt. Entsprechend angezuckert war ich und wollte schnell losfahren, damit ich mich mit Tempo 60 auf der Autobahn abreagieren kann… Ein Blick ins Handy-Navi sagte aber: kein Handy. Oh. Nein. Nicht noch das Handy verloren. In der Stadt hatte ich es noch. Sagen wir, es ist nicht das erste Mal das mir das passiert und ich habe es schnell über Nadis Handy gesperrt, geortet und über Google Maps verfolgt. Es liegt also noch in der Innenstadt und zwar dort, wo ich auf einer Bank auf Nadi gewartet habe. Super. Als ich zur Bank laufe, sehe ich über GPS, dass sich mein Handy bewegt. Nicht so super. Allerdings bewegt es sich Richtung Touristen-Information und bleibt dort stehen. Wieder super. Ich renne also in die Touristen-Information und frage nach meinem Handy, was dort tatsächlich gerade abgegeben wurde. Voller Adrenalin erkläre ich der verdutzen Dame, wie ich es orten konnte, mit einer Nachricht sperren und über GPS schließlich gefunden habe. „Warum hast du nicht einfach angerufen?“… oder so…

Geschafft. Mitten im Nichts

Kategorien: Einmal um die Ostsee | Hinterlasse einen Kommentar

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