Camping… Mit Ausnahme vom Hurricane Festival war Camping nie so meine Geschichte. Wenig Platz, irgendwie immer nass und spätestens am zweiten Tag ist alles dreckig. Vorteil Hurricane, wenns ins Zelt geht sind ohnehin schon alle Lampen an. Um dem Camping Trott vorzubeugen, haben wir uns für ein Wohnmobil mit 4 Betten entschieden. Mehr Betten, mehr Platz. Einfache Gleichung. Im Grunde haben auch nicht wir uns für einen Wagen entschieden, sondern er für uns. Es gab (wenn man 4 Wochen im Voraus bucht) offensichtlich nur noch einen einzigen Camper in Neuseeland – und den sollten wir bekommen. Äußerlich – mit Ausnahme der deutschen Flaggen überall – tip top. Innen spiegelt er eher den verspielten Charme eines dänischen Westerns aus den siebziger Jahren wieder. Fahren tut er sich ähnlich, aber er läuft. Kurz, wär die Karre ein Wein, wäre es Sangria. Kein Genuß, aber er erfüllt seinen Zweck.
Die erste Fahrt mit dem übergroßen, buckligen Pummel sollte natürlich gleich im Feierabend Verkehr Christchurch’s stattfinden und darüberhinaus noch auf dem vielbefahrenen Parkplatz eines Supermarktes. Mag sein, dass ich zu vorsichtig bin, was das Fahren dieses Gefährt angeht, das genaue Gegenteil sitzt aber nur ne Armlänge von mir entfernt auf dem Beifahrersitz. „Ich glaub echt, dass ich das Ding easy fahren kann“‚ erklang es selbstbewusst von links. Man muss dazu sagen, dass Nadi auf der Straße eine latent aggressive Fahrweise pflegt. Nachdem sie in Schottland damals unseren Mietwagen aufgeschlitzt hat, in Flensburg ne eigene Abteilung beschäftigt und jüngst in Australien während ihrer 10 Minuten Fahrt, eine arme Frau südlich von Brisbane fast zur Witwe gemacht hätte, wurde ihr das Fahrrecht im Urlaub auf Lebenszeit entzogen. Vielleicht werde ich milde im Alter, vielleicht erhoffte ich mir im Ausgleich auch nur wieder die Gewalt über meine Bauchtasche und damit Finanzen… ich habe ihr die Schlüssel gegeben. Und bisher macht sie ihre Sache perfekt. Ich habe sogar gestern während ihrer Fahrt, als Beifahrer einen Moment kurz nicht auf die Straße geguckt. Ein echter Vertrauensbeweis.
Unser erster Abend als Camping-Neulinge war übersichtlich was Emotionen anging. Es war ein bisschen wie in Asien: Ein komplett neues Terrain und ich verstehe die Sprachen nicht. Jeder scheint hier eingespielt zu sein, kocht unisono Nudeln mit Tomatensoße und ohne Tracking Klamotten biste auch ein bisschen Außenseiter. Hinzu kommt Starkregen und Temperaturen um die 10 Grad, die mich ans Wohnmobil fesseln. Ich klettere also nach oben in meine Schlafbox und starre in den Regen. Ich hatte doch alles in Australien. Strand, 35 Grad, Surfen und 4 Wände. Jetzt hock ich bei Herbstwetter in nem siebziger Jahre Pornodrehort-Gefangnis und blas Trübsal. „Was machst du denn da oben?“ reisst es mich aus meiner Lethargie. „Ich trauere um Australien und die anderen Kinder hassen mich, weil ich keine North-Face-Klamotten habe“ blaffe ich zurück. Naja so schlimm war es nicht, aber als Nadi und ich an dem Abend in Winterklamotten auf diesem gruseligen Platz hockten, kam uns schon die Frage nach dem Warum. Also, warum machen wir das?
1. Weil der Campingplatz den wir uns ausgesucht haben, wirklich scheiße und damit die Ausnahme war. Die folgenden Plätze waren ein Traum. Direkt am Meer, an einem Bergsee oder tief im Wald. Dabei waren die Plätze auch nicht wie der erste, einem sowjetischen Parkplatz Gulag ähnlich angeordnet, sondern mitten im Grün. Wir sind immer noch nicht 100% eingespielt, kommen aber immer besser auf engsten Raum zu recht und mittlerweile gefällt es mir richtig gut. Was allerdings auch an Punkt 2 liegt.

Der Platz am zweiten Tag war da schon wesentlich schöner. Hier sucht Nadi am Strand nach WLAN Empfang
2. Jeder Jeck ist anders. Es gibt Leute, die mögen Gyros auf Pizza oder lachen über Mario Barth. Ich mag zum Beispiel Bagels mit Frischkäse, Gurken und Soja-Soße, aber das gehört hier nicht her. Was ich sagen will ist, ich akzeptiere die Meinung Anderer, die die Nordinsel Neuseelands favorisieren. Verstehen kann ich es nicht. Nachdem wir jetzt ne knappe Woche auf der Südinsel gastieren und durch die Landschaften brausen, kann es für mich keinen Zweifel mehr geben. Die Südinsel ist der landschaftliche Hammer. Toskana, Heide, Berge, Wälder, Seen, Prärie und Gletscher – alles im Mix. Zum letztgenannten Gletscher musste uns allerdings ein Hubschrauber bringen… wer Nadi und ihre Flugangst kennt, weiß, welch Opfer das von ihr verlangt.
Morgen früh steht wieder eine Wanderung an, allerdings immer noch ohne Tracking Klamotten…







Nun gebt mal nicht so an mit EUREM Schnee. Freut Euch schon mal auf – heutige – – 11 ° bei klarem Sonnenschein. Genießt die verbleibende Zeit. Wir freuen uns auf das Wiedersehen.
Liebe Grüße von den Oldies aus der G 97
Die Alf Tasse?! Dann hab ich wohl den Jackpot geknackt.
Geilomat.
David freut sich auch schon.