Neuseeland. Wo fangen wir an? In Australien wurden wir mit einem Flug-Upgrade und 30° im Schatten begrüßt, Neuseeland empfing uns etwas reservierter. Durch Zufall haben wir noch in Sydney erfahren, dass eine der Fähren, die die Nordinsel mit der Südinsel verbindet, durch einen Motorschaden ausgefallen ist und den Verkehr dadurch stark eingeschränkt. Stark einschränkt heißt: Personen ja, Autos nein. Erfahren haben wir dies von einem englischen Paar in einem bayrischen Biergarten – aber das ist eine andere Geschichte.
Zurück zur Fähre. Dieser kleine Umstand und die Tatsache, dass wir unsere Flüge nicht umbuchen konnten, führte zu einer sehr abenteuerlichen Anreise:
1. Abflug Sydney nach Christchurch (Neuseeland). Zwischenlandung und Verspätung in Melbourne.
2. Ankunft Christchurch um 23:50 Uhr. Durch Sicherheitskontrollen, Kofferkontrollen, erneute Sicherheitskontrollen und noch einer kurzen Kofferkontrolle waren wir um 1:30 Uhr aus dem Sicherheitsbereich. Wovor hat der Neuseeländer Angst?
3. Ankunft Hotel: 1:50 Uhr
4. Abfahrt Hotel: 4:50 Uhr (Jepp, clever)
5. Abflug nach Auckland 6:30 Uhr
6. Ankunft Auckland 8:00 Uhr
7. Ankunft E-Mail, dass es Probleme mit dem Mietwagen gibt und wir ihn nicht in 30Minuten wie geplant, sondern gar nicht abholen können, 8:30 Uhr.
8. Mord Szenarien und mögliche Optionen im Kopf durchgegangen. Für Optionen entschieden.
9. Überteuerten Ersatz-Mietwagen zu fragwürdigen Bedingungen abgeholt.
10. Schnell zur Telekom gefahren um WLAN Karte für unser tragbares Modem abzuholen. Verkäuferin mit furchteinflößenden Schlangentattoo auf dem Unterarm ist untröstlich, aber leider würde unser bisheriges Modell nicht funktionieren, obwohl es baugleich ist, absolut identisch und vom gleichen Anbieter betrieben wird. „Warum? Ist so, Sie brauchen ein neues Modell.“ Neues Modell kostet 100$. Was solls, denk ich. Leg dich nie mit Idioten an, sie ziehen dich auf ihr Niveau und schlagen dich mit Erfahrung. So auch diesmal. Modem gekauft.
11. Modem funktioniert nicht, 15 Minuten zurück gefahren. Verkäuferin hat uns aus Versehen falschen Code gegeben. Mord Szenarien wieder aufgenommen.
OK, wir haben einen etwas „zähen“ Start erwischt, aber jetzt würde es besser werden. Erster Eindruck: Ich vermisse meinen australischen Strand und das Wetter. Hier ist es etwas verregnet, kühler und die Strände sind eher rau, dafür muss man neidlos eingestehen, dass die Landschaft hier schon beeindruckend schön ist. Bevor wir aber losfahren, werden die Vorräte aufgestockt, schließlich haben wir es irgendwie geschafft, unsere Kühlbox mit in den Flieger zu bekommen. Im Supermarkt wird recht schnell klar, der Neuseeländer scheint eine kleine Naschkatze zu sein. Es gibt Regalereihen voll mit Cola, Limonaden und Energydrinks, aber nur zwei Sorten Wasser, welches hinten bei den Reinigungsmitteln gelagert wurde. Kostenpunkt, $19 Dollar pro Palette. Im Vergleich, ne Palette Cola kostet $12.
Da Strand vorerst ausfällt, wird sich erbarmungslos auf die Natur-Schiene konzentriert. Erstes Highlight, das Hobbit Dorf aus „Herr der Ringe“ in Matamata. Das Mekka von Informatik-Studenten, die als Zauberer und Kobolde verkleidet die Nächte vor dem Computer verbringen. Aber, Irrtum! Das Dorf war der absolute Hammer und dazu noch interessant. Meister Jackson, der dies cineastische Meisterwerk Anfang 2000 produzierte, hat hier mächtig was losgetreten. Mein Highlight: Die Eiche. Da der Hobbit im Buch unter einer Eiche wohnt, es hier aber nun mal keine Eiche gibt, hat man einfach im Nachbarort irgend nen Baum gefällt, zersägt und am Set wieder aufgebaut. Jetzt fehlten noch Eichenblätter, die man hierfür kurzerhand zu hunderttausenden aus Taiwan bestellt hat und irgend eine arme Seele hat diese dann an den Baum gebunden. Das war 1999. Weil nun 2009 ein neuer Film der Reihe produziert wurde, der aber 60 Jahre vor dem ersten Teil spielt, kannste ja nicht wieder den gleichen Baum nehmen. Sieht doch jeder, dass der Baum nicht jung genug aussieht. Also den alten Baum abgerissen, nen Neuen hingestellt und das ganze sicherheitshalber gleich aus Plastik und Stahl gebaut. Problem, auch die alten Blätter sehen nicht jung genug aus. Schnell nen Trottel gefunden, der die Blätter noch in ein neues Grün malt und Zack, 1.8 Millionen sind weg. Dafür haste dann aber auch nen authentischen Baum für 30 Sekunden Film.
Highlight Nummer 2, der Mount Tongariri. Seit Tagen redet mein Co-Pilot von nichts anderem mehr, als dass sie endlich Wandern gehen möchte. Was liegt da für die erste Wanderung im Leben näher, als sich für die 20 Kilometer Alpin Bergwanderung auf knapp 2.000 Meter Höhe zum immer noch aktiven Vulkan zu entscheiden? Gehen können wir schließlich und ob wir das jetzt ein wenig länger und mit 900 Meter Steigung machen, kann doch nun wirklich kein Problem sein. Tracking Klamotten? Nur für Angeber. Verpflegung? Mein Gott, dann nehmen wir uns halt noch nen Nutella Brot mit, aber wir werden ja wohl auch nicht die vollen 7 Stunden brauchen, bis der Shuttle uns wieder am vereinbarten Treffpunkt abholt. Lieber noch nen Buch einpacken, falls ich zu lange auf den Bus zurück warten muss. Am Parkplatz wurde ich dann unsicher. Nadi und ich waren die einzigen mit Turnschuhen statt Wanderschuhen, Baumwoll-Kaputzenpullover statt Windjacken und dazu fragwürdigen Beinkleidern. Nadi trug Leggins, ich ne kurze Hose. Immerhin ne Regenjacke und etwas Wasser kamen noch in den Rucksack aber sonst sahen wir eher „anders“ aus, als die alten Wanderhasen um uns herum.
Machen wir es kurz, da ihr diesen Zeilen lesen könnt, haben wir überlebt. Aber um welchen Preis? Bin ich noch bis zum Gipfel stolz wie eine Bergziege geklettert, war Nadi eher ein kleines Maultier. Langsam, aber stetig. Störrisch, aber entschlossen. Was ihr an Kondition und Tempo beim Klettern fehlte, machte sie durch unnachgiebigen Willen wieder wett. Zwischendurch wurde sie sogar angefeuert, als sie mit eisiger Miene, Schritt um Schritt Richtung Gipfel marschierte. „Wo …. Nadi ist, …. ist …. vorne“ keuchte es aus dutzenden Kleidungsschichten hervor. Oha, na dann werden wir entweder die ersten Wanderer gleich überrunden oder vor uns sind noch etwa 100 Nadis. Aber unkaputtbar haben wir beide es auf den Gipfel geschafft und den Bus tatsächlich rechtzeitig erreicht. Im Hotel sind wir dann in eine traumlose Bewusstlosigkeit gefallen und während wir schliefen, muss jemand ins Zimmer geschlichen sein und mit nem Stock unnachgiebig auf meine Beine geprügelt haben. Anders sind die Schmerzen nicht zu erklären, die ich beim Aufstehen hatte. Gott sei Dank haben wir, bevor wir gestern zur Wanderung aufgebrochen sind, noch schnell ne Rafting Tour für den heutigen Tag gebucht…









