Faule Bande

Ja wir sind faul geworden – aber wir leben noch und das ist ja auch schon was. Nachdem wir den schrillen Sünden-Pfuhl Asien verlassen haben, wo wir jeden Tag irgendwas Merkwürdiges erlebt oder selbst gemacht haben, sind wir in den heimischen Schoß Australiens eingeflogen. Herrlich. Schönes Wetter, Menschen die einen verstehen und atemberaubende Natur.

Und es hätte besser nicht anfangen können. Schwer gewappnet, unseren 8-stündigen Flug von Bangkok nach Sydney hinter uns zu bringen, betraten wir unseren fliegenden Tempel der Marke Quantas und mussten uns gleich ein wenig über unsere Plätze wundern. Sollte dies etwa? Jupp, UPGRADE!!!! Wir hatten Zimmer in Asien, die waren kleiner als unser jetziges Sofa. Trunken vor Glück haben wir also wie zwei junge Hunde auf den Plätzen getobt, gegenseitig Fotos gemacht und alle Extras ausprobiert, die so ein Upgrade eben mit sich bringt. Als der „Service Manager“ kam, um uns persönlich in Landestracht zu begrüßen und dabei einen Schwatz mit uns zu halten, war die Sache klar: Uns standen 8 Stunden Sonnenschein bevor. „Ich hätte gern einen Gin-Tonic, bügeln Sie mir bitte die FAZ von übermorgen auf und zum Dinner entscheide ich mich für den Fasan.“ Naja so ähnlich auf jeden Fall.

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Endlich standesgemäß Reisen

Als wir nach Umsteigen dann in Cairns landeten, floß uns sofort der Saft in die Stiefel. Wenn Asien heiß war, war Cairns richtig heiß. Also schnell zur Mietwagen Station um unsere weiße Präzisions-Lenkwaffe von Toyota abzuholen und in das links geleitete Verkehrssystem einzutauchen. Am Hotel dann der Schock. CHINESEN. Als ich nach dem langen Tag in Richtung Rezeption schlurfte, um mir für 5 australische Dollar 20 Sekunden Internet zu kaufen, nahm ich bereits das vertraute Hochziehen mit anschließender Erleichterung wahr. Spuckende Chinesen. Wie in einer Folge „The Walking Dead“ grasten im Vorzimmer des Hotels ein Rudel von ca. 20 Asiaten durcheinander und drängelten, rafften und spuckten in trauter Einkehr vor sich hin. Ich nahm meine Beine in die Hand um schnell Nadi zu warnen, doch ich kam zu spät. Bereits von Weitem hörte ich ein lautes und angewidertes „Bäh“, was von unserer Terrasse herüber kam. Sie waren also auch schon hier. „Weißt du wer eben in den Pool gerotzt hat?“ empfing es mich. „Ja, Chinesen. Ich hab sie auch gesehen und uns bleibt nicht mehr viel Zeit.“

Seitdem fährt unser Toyota ein Rennen gegen die Zeit und chinesische Touri-Busse. An Land passen wir unsere Ziele den Touren an. Wir schnappen uns also die Angebote aus den Hotel-Lobbys und fahren sie mit dem Mietwagen nach, allerdings zeitversetzt. Touren auf dem Wasser sind ohnehin kein Problem, da H2O ein natürlicher Feind des Chinesen zu sein scheint, so waren wir bisher auf den Whitsunday Inseln und dem Great-Barrier-Reef sicher. „Chinesen gehen nicht so gerne ins Wasser und in die direkte Natur“ sagte uns die australische Führerin auf dem Tauchboot im Riff, „Sie buchen meist die Glasboden Tour und bleiben unter sich“. Und tatsächlich, am Anleger gegenüber lag die Arche Mao vor Anker. Ein dreistöckiger Motor-Katamaran, vor dem eine nie enden wollende Schlange Spucker stand. Mitten drin standen zwei Europäer – die armen Seelen, aber wir konnten nichts mehr für sie tun. Langsam fuhren wir aufs offene Meer hinaus und überließen sie ihrem Schicksal…

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Im Riff, am Riff und ums Riffs herum

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Schildkröten, Clown-Fische und blonde Seegurken

Die andere Volksgruppe hier sind Deutsche. Überall Deutsche. In Supermärkten, in Parks und auf Touren sowieso. In einem Supermarkt habe ich 40 gezählt, was relativ einfach war, denn nur wir Deutschen stehen vor der Schnäppchen Ecke und versuchen, das fast abgelaufene Brot oder den Joghurt, der schon nicht mehr in der Kühlung steht, für einen Dollar zu schießen. Naja eigentlich standen da nur 39, denn eine von uns zog ihre nie endenden Streifzüge durch die Regale um ihren Trieb nachzugehen: Dem Hunger. Die Rede ist von: Der Magnani. Ich kenne meinen Kumpel, Reise- und Lebenspartner jetzt schon 9 Jahre, aber noch nie ist mir ihr Appetit so deutlich bewusst geworden. Sie isst immer. Wären wir ein Zoo, müsste ich mir überlegen, ob ein Magnani im Unterhalt überhaupt wirtschaftlich ist. Denn wenn sie nicht isst, denkt sie darüber nach, wann sie wieder essen kann. Es müssen 5 Mahlzeiten am Tag sein (3x groß, 2x Snacks), sonst gibts ein riesen Hallo. Wenn eine Mahlzeit ausfällt oder irgendwie schief geht (Portion zu klein, zu scharf, nicht schmackhaft, etc…), muss die folgende Mahlzeit dies wieder wettmachen (“ Heut hab ich mir aber ne Vorspeise verdient“). Geschmack steht dabei an zweiter Stelle, da Restaurants und Gerichte nach Größe der Portionen ausgewählt werden. Wir zuckelten also wieder mal über eine nie enden wollende Straße im Nichts als Nadi fragt „Soll ich mal fahren? Ich möchte dich entlasten“. Blick aufs Navi: Abbiegen in 44 Kilometern, schnurrgerade Strecke, kaum Verkehr und der chinesische Reisebus muss noch Kilometer hinter uns sein- was soll passieren? Wir tauschen also. Nach 5 Minuten ertönt die Stimme erneut: „Wenn ich schon fahre kannst du mir wenigstens ein Brot schmieren und ein paar Früchte geben“. Entlastung also. Katrin, Doris … war das Mittags immer so?

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Möwen und Nadi wollen gefüttert werden

Das war bisher schon fast alles was sich zu erzählen lohnt. Wie gesagt, wir werden faul. Gerade sitzen wir in einem Appartement in Airlie Beach, können endlich mal wieder selbst kochen und haben Blick aufs Meer. Neben Gin-Tonic und Guinness, gibt es Bratkartoffeln mit Ei und Gurke. Das richtige Abendessen für 34 Grad im Schatten. Als Überraschung habe ich Nadi noch ein besonderes Schmankerl mitgebracht. Der Fernseher hat nämlich einen USB Anschluss und ich kann endlich auf meine Videothek zurück greifen, die ich auf meinen USB-Stick stets bei mir führe. In der Abendvorstellung heute: Bud Spencer in „Der Dicke in Mexico“. Die Sonne geht langsam vor unserem Balkon unter und es ertönen Klänge von sich prügelnden Menschen in TV. Glücklich.

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Down-Under mit Klasse

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Paronella Park (Danke Haik)

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Dschungel Wasserfall

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Grillen am Strand

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Weit und breit weiß, inklusive uns ...

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Nur wir, Flecken auf der Kamera und Hitze

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Unser Dampfer ins Inselglück

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Wenn ich nicht aufgepasst hätte, wäre ich fast mit dem seltenen heimischen Wald-und Wiesen Vielfraß zusammengestoßen.

Kategorien: "Weltreise" | 3 Kommentare

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3 Gedanken zu „Faule Bande

  1. Dori

    Köstliche Schilderung 🙂 Ich sitze lachend vorm PC und erinnere mich an Nadis neidischen Blicke auf unsere Teller: „Eure Portionen sind viel größer als meine!“

  2. Claudio

    Auch wenn Du meine Tochter verulkst, was natürlich eine Frechheit ist, … ich mußte heulen vor lachen….

  3. Katrin

    Na klar, war das auch auf Arbeit so! Da kam im Elbhof schon mal die Ansage, dass Frau Magnani mehr Kartoffeln braucht. Davon wird ja keiner satt! 🙂

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