Nachdem wir die grüne Hölle Zentral Vietnams hinter uns ließen und uns erfolgreich Richtung Küste durchgeschlagen haben, erwarteten uns die Überbleibsel des Taifuns, der sowohl Hue als auch Hoi An verwüstet hatte. Nach einer 6 stündigen Autofahrt und der vergangenen Nacht in der Scheune in den Knochen, war uns erstmal nach einem schönen Zimmer und leckeren Abendessen zumute. Leider konnten wir nicht noch eine Nacht im Pepperhouse bleiben und somit am Vollmond Fest teilnehmen. Was ein Vollmond Fest ist? Haben wir unseren Gastgeber auch gefragt. „Well its full moon and we kill a fucking chicken – thats it“ Der Mann verdient seine eigene MTV Show.
In Hue trafen wir durch Zufall wieder auf die Gruppe Polen aus der Halong Bucht. Ob es wirklich Zufall war oder ob das Desinfektionsmittel des polnischen Sauberkeitsfreaks, Nadi einfach nur unterbewusst angelockt hat, wer weiß. Da wir am nächsten Tag wieder ne Tour vor uns hatten, gabs nur schnell was zu essen und dann endlich wieder ein Zimmer mit richtigen Wänden und einer Toilette mit ohne Reis. Bei Zimmerpreisen von 20 Eur für 4Sterne inkl. Frühstück mussten wir auch nicht lange überlegen. Saß ich am Vortag noch unter Wellblech beim Frühstück, konnte ich mir jetzt schon wieder heißen Kaffee und ein Gewinner Frühstück inkl. Omlett schmecken lassen. Skurril.
Vor der Tür wartete bereits unser privater Fahrer, der uns über den Wolkenpass in das ca. 3 Std. entfernte Hoi An bringen sollte. Wir haben uns dazu entschlossen den Flieger nach Saigon zu nehmen und weiter südlich unser Wetter-Glück zu suchen. Hotel, Fahrer und Flug lagen so ca. bei 70 Eur pro Person – dafür krieg ich in Hamburg nicht mal nen Taxifahrer zum Flughafen inkl. Lächeln.
Am Flughafen wurde es dann wieder speziell. „Ihr Flug nach Saigon um 16Uhr wurde gestrichen, wegen Plan Änderungen. Sie können morgen fliegen oder mit Glück heute Nacht um elf, vielen Dank für ihr Verständnis“. Fassungslosigkeit. Das ist so der Punkt, an dem unsere kleinen Reisegruppe ihre individuellen Stärken ausspielen muss. Ich sehe mich gerne in der Rolle des verständnisvollen, freundlichen Reisenden, den nichts aus der Ruhe bringt. Hier aber brauchen wir die Blonde und schwerere Geschütze. Ich passe also auf die Koffer auf, während Nadi ihrem Handwerk nachgeht. Anstatt um 16Uhr fliegen wir nun also schon um 12Uhr ab und das Geld für die „nicht erstattbaren“ Tickets haben wir auch wieder in der Tasche. Hut ab. Da es allerdings wieder ne Weile braucht, bis ich Nadi zurück auf Betriebstemperatur habe, hat sie Gott sei Dank nicht gesehen, dass sie so eben in eine Maschine der Cambodian Ankor Airlines gestiegen ist. Puh. (Anmerkung Nadi: Die Maschine gehört Cambodian Angkor Airlines, wird aber von Vietnam Airlines betrieben)
Saigon verlief ohne nennenswerte Besonderheiten eher ruhig. Die Stadt ist wesentlich westlicher als Hanoi, was sich allerdings nicht auf den Verkehr auswirkt. Ohne U- und S-Bahnen zwängen sich auch hier zu jeder Tag- und Nachtzeit tausende an Roller-Fahrern durch die Innenstadt und pfeifen dabei galant auf Verkehrsregeln. Ob über Bürgersteige, gegen die Verkehrsrichtung oder bei Rot, das possierliche Rollerfahrer-Männchen kennt in seinem quirrlichen Lebensraum ausser Bussen keinen natürlichen Feind. Fußgänger erinnern einen hier an das 80ger Jahre Atari Spiel „Frogger“, allerdings im höchsten Level. Auf dem Video sehen wir einen Fußgängerübergang – und wir haben Grün.
(Video folgt)
Wie immer hatten wir daher schon bald wieder die Nase von der Großstadt voll und entschieden uns für eine Reise ins Insel Paradies Koh Rong. Auf der Insel im Süden Kambodschas gibt es noch das Robinson Feeling mit Bungalows direkt am Strand, so die Bewertung bei Tripadvisor. Na dann aber die Badehose eingepackt und los. Nach der 12 stündigen Busfahrt (!) über Stock und Stein, mit viel Gehupe und noch mehr Zwischengas, waren wir auch schon da und stiegen paralysiert, aus dem vollkommen überladenen Minibus in Sihanoukville. Weitere 3,5 Stunden mit einem Fischerboot trennten uns jetzt nur noch von unserem Ziel, aber dafür war es heute schon zu spät. Also rein ins Nachtleben Sihanoukvilles und schnell wieder raus, denn hier wechselt DNA noch illegalerweise ihren Besitzer. Alte Männer mit blutjungen Khmers und Hotelschilder („Bitte bringt keine minderjährigen Prostituierten mit aufs Zimmer“) zeichneten hier schnell ein Bild des Ortes, wo Bier noch 50Cent und Frauen 10 Dollar für die Nacht kosten.
Zurück zum eigentlichen Plan. Robinson Schliecker – jetzt! Endlich sollte ich mein Piraten Abenteuer bekommen. Logbuch: Es ist Stunde drei unser endlosen Odyssee über die unbarmherzige See. Zeit hat hier seine Bedeutung verloren und Minuten verrinnen unaufhörlich im Nichts. Wenn nicht bald Land in Sicht kommt, weiß ich nicht, wie lange die Mannschaft noch durchhält. Erste Unruhen werden laut und wir haben weder Proviant noch Wasser übrig. Die Angst vor Skorbut ist allgegenwärtig, denn wir haben bereits Männer verloren. Gute Männer.
OK, die Männer waren eigentlich ne polnische Reisegruppe, die wir so eben abgesetzt haben und nun endlich fast auf unser einsamen Insel sind. Es ist auch nicht ganz Robinson, sondern eher ne Folge „Lost“, denn neben uns gibt es noch Plätze für 10 weitere Hobby-Piraten. Auch das mit dem Bungalow am Strand hat nicht ganz so geklappt, da sie bei der Reservierung einen Fehler gemacht haben und unser Bungalow bereits weiter vermietet haben. Da standen wir nun mit langen Gesichtern und kurzen Hemden und mussten uns entscheiden: Noch ne Nacht in Porno-Ville oder ab auf die Insel ins Mehrbett Abenteuer?
Abgesehen von diesen Umständen, war es aber der absolute Kracher. Wir waren tatsächlich Stunden von der Zivilisation, ohne Strom, ohne Wifi und ohne westlichen Komfort im Paradies. Sowohl Strand als auch Dschungel waren derartig groß für 6 Pärchen, dass wir uns häufig nur abends sahen und jeder seinen Fleck Bucht alleine hatte. Täglich oder alle zwei Tage kam ein Versorgungsboot und brachte Lebensmittel, Wasser und was man sonst so wollte. In der Haupthütte wurde für uns gekocht und man saß dort abends bei einer Tasse Bier zusammen und hat zusammen Kniffel gespielt oder gelesen. Da es keinen Strom gab, nur etwas Licht durch die Solar Speisung, war es überall zappenduster im Dschungel und man musste sich mit Taschenlampen den Weg zum WC oder dem Schlafsaal bahnen. Die Wege waren nicht angelegt sondern eher kleine Pfade. Das war zugegeben aufregend. Auch die Toiletten waren aufregend, denn es gab nur ein Wasserloch mit Brunnenwasser. Direkt unter freien Himmel konnte man also Wasser schöpfen und sich damit duschen (Übergießen trifft es eher) oder mit dem Wasser seinen Toiletten-Vorgang abschließen. Der Phantasie sind hier keine Grenze gesetzt – den Möglichkeiten aber doch.
Bereits morgens um 8 war es hier heiß wie Friteusenfett und wir lagen schwitzend am Meer. Zeit für ne Erfrischung. Kenny, seines Zeichen Handwerker, Musiker und eben auch Tauchlehrer schlägt sich so mit Gelegenheitsjobs durch die Welt und arbeitet gerade hier am „Lonely Beach“ als Zimmerer, um einen neuen Bungalow zu bauen. Mit ihm ging es raus zum Schnorcheln. Ich bin dem durchtrainierten und braun gebrannten Rüden also zum Strand gefolgt. Als ich so neben ihn stand, weiß wie Elfenbein, hab ich mich noch gefragt, ob ich zum Schnorcheln nicht doch besser ein Shirt anziehen sollte oder zumindest etwas Sonnencreme auftrage. Wenn sogar Briten sich eincremen, ist das ein Zeichen was man nicht ignorieren sollte.. Ach was, mit vollendeter Eleganz schwang ich mich in die Wellen. Abends saßen dann die Deutschen, Schweizer, Engländer und ein neues Indianer Pärchen (Nadi und ich) am Tisch, bereit für eine neue Runde Kniffel. Scheiß Sonne.
PS: Ohne Tollwut Impfung stelle ich mich hier jeden Tag tödlichen Abenteuern und fürchte weder Tod noch Teufel. (Nur Nadi)










Wenn man sich zum Affen machen lässt …:-)
Aber weiß wie Schneewittchen bist Du doch nicht mehr; steht Dir gut und selbst Nadia ist nicht mehr so ‚kalkig‘.
Fühlt Euch umarmt von den Oldies aus der G 97.